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Mark Andres rwh1 beim MaerzMusik Festival

01/03/2020
Foto: © Manu Theobald

Bei der MaerzMusik – Festival für Zeitfragen wird am 27. März erneut Mark Andres rwh1 aufgeführt. Im Programmheft der Donaueschinger Musiktage 2019, in deren Rahmen auch die Uraufführung stattfand, beschreibt Mark Andre seine Herangehensweise an rwh1 folgendermaßen:


Das Verschwinden als kompositorische und potentielle eschatologische Spur ist von zentraler Bedeutung in meiner Musik. Kompositorische und transzendentale Erlebnisse sowie Zwischenräume lassen sich durch das Beobachten und das Zur-Beobachtung-Stellen von Musik vor dem Verschwinden, während des Verschwindens und nach dem Verschwinden erfahren. Der kompositorische Zwischenraum ist der Ort des fragilsten musikalischen Verschwindens.


Das Verschwinden gehört zugleich sehr wahrscheinlich zu den zentralen Kategorien des Evangeliums. Die berühmten Episoden nach der Auferstehung Jesu, „Noli me tangere“ (Joh 20,17) und des Abendmahls in Emmaus (Lk 24, 13–35), deuten darauf berührend und in besonderer Weise hin. Als der Verschwundene und Auferstandene erkannt wurde, verschwand er; nachdem er Maria Magdalena begegnet war und vor den Augen der beiden Jünger während des Abendmahles in Emmaus. Diese Situation des Verschwindens hinterlässt uns jedoch zugleich eine besondere, andere, intensive Art von Präsenz des Verschwundenen.


rwḥ 1 bezieht sich auf das aramäische Wortfeld „Atem, Luft, Geist, Hauch, Seele“. Jesus von Nazareth artikuliert es während der „Abschiedsreden“ (Joh 14, 16-17; 16, 13-16). Der Werktitel bezieht sich direkt auf das erwähnte aramäische Wortfeld, der christlichen Überlieferung nach auf den Heiligen Geist.


Der Abschied und das Verschwinden beziehen sich typologisch, organisatorisch in meinem Komponieren auf die Aktions-/Klang-/Zeitgestaltung, die formale Gestaltung, die musikalische Organisation/Struktur und Strategie. All das ermöglicht die Entfaltung zerbrechlichster Zwischenräume in der Komposition mit zu erleben. Dies wird hier typologisiert und strukturiert. Es geht u.a. um die Echographie der Akustik der Hamburger Kirche St. Katharina. Alle Tonhöhen wurden aus diesen akustischen Messungen abgeleitet. Das klangliche Verschwinden dieses Materials wurde in der Münchner Kirche St. Ludwig von Stephan Heuberger und Joachim Haas (vom SWR Experimentalstudio) und von den Solist*innen des Ensembles aufgenommen. Es wurde weiter mit „audiosculpt“ und „pro-tools“ abgeleitet, analysiert und weiter bearbeitet. Bei allen möchte ich mich besonders bedanken.


Die kompositorischen Zwischenräume, die geöffneten strukturellen und zerbrechlichsten Risse, das organisatorische Schwanken zwischen den Aktions-/Klang-/Zeit-Ebenen bilden die formale Gestaltung, das Verschwinden des Stücks.


Konzertinformationen:
Mark Andre, rwh1, Stück für Ensemble und Elektronik
27. März 2020, Maerz Musik – Festival für Zeitfragen
Parochialkirche, Klosterstr. 67, 10179 Berlin
Aufführende: Ensemble Resonanz



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