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Mark Andres rwh 1 bei den Donaueschinger Musiktagen

07/10/2019
Foto: © Manu Theobald

Die Donaueschinger Musiktage sind das älteste und traditionsreichste Festival für Neue Musik. Von jeher bildet es Strömungen und aktuelle Entwicklungen zeitgenössischer Musik ab. Die Musiktage finden dieses Jahr vom 17.-20. Oktober statt. Bei der diesjährigen Auflage des Festivals feiert Mark Andres Stück rwh 1 seine Premiere. Das Auftragswerk des Südwestrundfunks für Streichorchester mit Akkordeon, Schlagzeug und Sinustonorgel wird vom Ensemble Resonanz aufgeführt.


Nachfolgend Mark Andre zu rwh 1 in eigenen Worten:


„Das Verschwinden als kompositorische und potentielle eschatologische Spur ist von zentraler Bedeutung in meiner Musik. Kompositorische und transzendentale Erlebnisse sowie Zwischenräume lassen sich durch das Beobachten und das Zur-Beobachtung-Stellen von Musik vor dem Verschwinden, während des Verschwindens und nach dem Verschwinden erfahren.“


Der kompositorische Zwischenraum ist der Ort des fragilsten musikalischen Verschwindens.


Das Verschwinden gehört zugleich sehr wahrscheinlich zu den zentralen Kategorien des Evangeliums. Die berühmten Episoden nach der Auferstehung Jesu, „Noli me tangere“ (Joh 20,17) und des Abendmahls in Emmaus (Lk 24, 13-35), deuten darauf berührend und in besonderer Weise hin. Als der Verschwundene und Auferstandene erkannt wurde, verschwand er; nachdem er Maria Magdalena begegnet war und vor den Augen der beiden Jünger während des Abendmahles in Emmaus. Diese Situation des Verschwindens hinterlässt uns jedoch zugleich eine besondere, andere, intensive Art von Präsenz des Verschwundenen.


rwḥ 1 bezieht sich auf das aramäische Wortfeld ‚Atem, Luft, Geist, Hauch, Seele’. Jesus von Nazareth artikuliert es während der Abschiedsreden (Joh 14, 16-17; 16, 13-16). Der Werktitel bezieht sich direkt auf das erwähnte aramäische Wortfeld, der christlichen Überlieferung nach auf den Heiligen Geist.


Der Abschied und das Verschwinden beziehen sich typologisch, organisatorisch in meinem Komponieren auf die Aktions-/Klang-/Zeitgestaltung, die formale Gestaltung, die musikalische Organisation/Struktur und Strategie. All das ermöglicht die Entfaltung zerbrechlichster Zwischenräume in der Komposition mit zu erleben. Dies wird hier typologisiert und strukturiert. Es geht u.a. um die Echographie der Akustik der Hamburger Kirche St. Katharina. Alle Tonhöhen wurden aus diesen akustischen Messungen abgeleitet. Das klangliche Verschwinden dieses Materials wurde in der Münchner Kirche St. Ludwig von „Resonanz“, bei Stephan Heuberger und Joachim Haas (vom SWR Studio) und von den Solist*innen des Ensembles aufgenommen. Die wurden weiter mit „audiosculpt“ und „pro-tools“ abgeleitet, analysiert und weiter bearbeitet. Bei Allen möchte ich mich besonderes bedanken.


Weitere Informationen:
Donaueschinger Musiktage (17.–20. Oktober 2019)
Mark Andre – rwh 1
Samstag, 19. Oktober 2019 15.00 Uhr Bartók Saal / Donauhallen
Ensemble Resonanz; Dirigent: Bas Wiegers
Webauftritt der Donaueschinger Musiktage




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